Bonito – Pantanal – Caceres (6. – 25.10.2019)

Das Wetter in Brasilien haben wir uns etwas anders vorgestellt. Es ist bewölkt und 25 Grad kalt und am Abend regnet es. Beginnt die Regenzeit,

haben wir die Trockenzeit verpasst, können wir nicht mehr ins Pantanal fahren?

Anderntags sieht man zum Teil wieder blauen Himmel und die Temperatur klettert auf 30 und bis Ende Woche auf 40 Grad. Wir fahren einfach mal die nahegelegene Quelle Nascente Azul an und lassen uns überraschen. Auf den Fotos sieht es unglaublich schön aus und so ist es dann auch in Wirklichkeit. Die glasklare Quelle misst im Durchmesser rund 40 m, ist 7 m tief und voller Fische. Eine Stunde dürfen wir darin schnorcheln und uns den Abfluss des Baches runtertreiben lassen. Wir sind absolut begeistert und freuen uns bereits auf die nächsten Quellen.

Wir besuchen in den nächsten Tagen die Quellen und Flüsse Rio Sucuri (2 Std Tour), Rio Prata(4 Std Tour), Balneario Municipal (Freibad), Ceite Core (mit sehr schöner Fazendas), Balneario do Sol (Freibad für den Sonntagsgrill) und zum Abschluss ins Aquario Naturale (2 Std Tour). Alle Orte waren einmalig schön. Die Quellen liegen mitten im Busch und liefern zum Teil bis 1800 l Wasser pro Sekunde und sind zwischen 2 m und 155 m tief. Martha als begeisterte Schnorchlerin ist im Element. Es ist einfach herrlich sich bei sehr heißen Temperaturen im glasklaren Wasser aufzuhalten.

Unsere Freunde Bella und Willy, die wir weit unten in Argentinien kennenlernten und mit denen wir immer Kontakt hielten, kündigen Ihren Besuch in Bonito an. Sie sind schon in Quito, Ecuador, wollen aber aufgrund der politischen Unruhen für zwei Wochen ausreisen und kommen uns in Brasilien besuchen. Ihr Auto lassen sie an einem sicheren Ort in Quito stehen und fliegen aus. Wir bleiben extra 4 Tage länger in Bonito, um sie zu sehen.

Die Wiedersehensfreude ist groß und beide Seiten haben viel zu erzählen. Wir gehen gut Essen und plaudern lange Zeit. Anderntags trennen sich unsere Wege bereits nach dem Frühstück wieder. Wir wollen jetzt endlich ins Pantanal.

Ab der R 184 führt ein Schotterstraße ins südliche Pantanal und wir sehen schon bald die ersten Brillenkaimane ( Alligatoren/Krokodile) Bei einer schönen Jungle Lodge übernachten wir im Hof. Wir buchen für den nächsten Morgen eine Bootstour. Gerne wollen wir einen Jaguar oder eine Anakonda sehen. Leider haben wir kein Glück. Wir werden sicher nochmals eine Tour machen. Trotzdem sind wir begeistert von der Natur, der Vogel- und Tierwelt. Es ist unmöglich, alle gesehenen Vögel aufzuzählen, dafür waren sie zu zahlreich und uns fehlt das entsprechende Wissen. Beeindruckt haben uns die vielen Capivaras (Wasserschweine) und die Riesenotter, die es nur im Pantanal gibt.

Das Pantanal ist das größte Schwemmgebiet der Welt und ist über fünfmal größer als die Schweiz. Während der Regenzeit ist das Gebiet mit dem Auto nicht zu bereisen und schon ein kleiner Regenschauer erschwert das Fahren erheblich. Durch das geringe Gefälle von 2-3 cm pro Kilometer kann das Wasser kaum abfließen und überflutet jedes Jahr ein riesiges Gebiet und dies zum Glück für die grandiose Tierwelt. Insgesamt sollen einige Millionen Kaimane im Pantanal leben.

Auf der R 184 überqueren wir über 60 mehr oder weniger stabile Holzbrücken. Diese führen über kleinere und größere Tümpel, meistens mit Wasserpflanzen bedeckt und gut getarnten Kaimanen. Wir kommen durch die vielen Fotostopps nicht vorwärts und deshalb erst am späten Nachmittagi in Corumba an. Über Overlander finden wir die sehr schön gelegene Pousada do Cachimbo mit fantastischem Ausblick auf die Flusslandschaft und dahinter Bolivien. Von unserem Platz aus genießen wir die herrlichen Sonnenuntergänge.

Corumba liegt an der Grenze zu Bolivien und ist ein lebhaftes Städtchen. Brasilien und das Pantanal gefallen uns so gut, so dass wir unsere vorgesehenes Route ändern und ins nördliche Pantanal, mit der bekannten Transpantaneira, fahren. Wir organisieren uns einen Platz auf dem Frachtkahn Talisma.

Eine romantische Schifffahrt ?
Um 16.00 Uhr müssen wir am Hafen sein, damit sie Länge des Autos einschätzen und Platz reservieren können. Alles wird mit Pickups angeliefert, registriert und verladen. Es sieht einigermaßen organisiert aus, wobei wir uns nicht vorstellen können, wie man die Waren auf den beiden Schlepppontons wieder finden kann. Von A (alte Autoreifen) bis Z (Ziegelsteine) wird alles verladen.Am Ende verladen sie auf unserem Ponton nochmals über 200 Säcke Saatgut zu je 30 Kg. Fünf Leute tragen die einzeln auf das Schiff und stapeln Sie auf. Eine brutale Knochenarbeit bei tropischer Hitze. Um 20.00 Uhr stehen wir zum Verladen bereit. Zwei lange Bretter werden für uns als Rampe organisiert. Ich steige sicherheitshalber aus und Martha macht sich fast in die Hosen als sie die Bretterrampe hochfahren muss. Gut gemeistert👍.

Wir stehen nun auf dem Ponton an vorderster Stelle, was uns Privatsphäre und vor allem etwas Fahrtwind garantiert. Oder doch nicht. Es wird nochmals ein Ponton vorgeschoben, stört aber nicht so. Die Mannschaft spricht nur portugiesisch, nur einer kann einige Wörter spanisch, d.h. 3 Tage mit Händen und Füßen verständigen.
Um 21.30 gehts dann los und wir legen uns in unserem Auto schlafen. Am Morgen um 5.30 werden wir zum Frühstück gerufen es ist bereits 29 Grad heiß. Das Frühstück und alle anderen Mahlzeiten nimmt man stehend vor der Küche ein. Die 19-jährige Köchin ist reizend und macht ihre Arbeit gut.Die Tage beginnen sehr früh im Pantanal und am Abend ist es um 18.30 dunkel. Im Schatten mit dem Fernglas in der Hand tuckern wir flussaufwärts.

Das Frachtschiff bedient die weit abgelegenen Farmen, Schulen und riesigen Fazendas mit sämtlichen Waren. Kleine Auslieferungen erfolgen fliegend mit dem schnelleren Motorboot. Für die großen Lieferungen halten wir an und die Mannschaft ist wieder mit Ausladen beschäftigt. Ebenfalls steigen Leute zu oder verlassen das Schiff. Bei einem dieser Stopps sehen wir viele wettergegerbte Rancheros, alle sehen so aus wie in den Wild West Filmen mit langen Buschmessern an der Hüfte aufgeschnallt. Nach getaner Arbeit sitzen alle zusammen und schneiden sich ein Stück Fleisch von der aufgespiessten Rinderflanke ab.

Der Rio Paraguai ist doppelt so breit wie der Rio São Lourenco und der ist etwa so breit wie die Donau. Unser Ziel Porto Jofre liegt im Herzen des Pantanals am Ende der Transpantaneira und diese kleine Station erreichen wir nach 70 Stunden.

Die vier Tage sind für uns ein einmaliges Erlebnis im Pantanal Alltag und für die Crew alltägliche und unglaublich harte Arbeit. Nie ist ein böses Wort gefallen und bei der Arbeit konnten sie immer noch lachen, vielleicht über uns Gringos. Unsere Hochachtung👍👍.

In Porto Jofre übernachten wir im Garten des Jaguar Camps und buchen für den nächsten Tag eine Tour. Als wir am Morgen zum Treffpunkt kommen, sind wir sehr erfreut, dass wir unsere Freunde Jan und Clara aus Holland, mit denen wir vor einem halben Jahr in Mendoza einige Tage zusammen waren, wieder treffen. Nach rund einer halben Stunde Bootsfahrt sehen wir den ersten Jaguar im Pantanal. Wir sind überrascht, wie groß diese Jaguare sind. Nach unserem Guide ist er ungefähr vierjährig. Mit dem Boot kommen wir bis auf wenige Meter an ihn ran und es wird noch besser, er schwimmt vor unserem Boot ans andere Ufer rüber, wo wir ihn weiter verfolgen können. Dann legt er sich zur Siesta unter einem Baum nieder und wir machen uns auf die Suche nach weiteren Königen des Dschungels. Unser Guide findet nochmals zwei Jaguare, die wir bestaunen.

Beim Mittagessen finden wir mit Jan und Clara Zeit über Erlebnisse und weitere Ziele ausgiebig zu plaudern. Um 14.00 begibt sich Martha mit den Beiden auf die Nachmittagstour und sehen nochmals einen Jaguar.

Am nächsten Morgen werden wir durch einen höllischen Lärm geweckt.. Es sind Brüllaffen. Wir fahren rund 145 km auf der Transpantaneira Richtung Poconé. Dabei überqueren wir 120 zum Teil recht abenteuerliche Brücken. Wir sind froh, dass alle halten, weil unten in den Tümpeln warten schon die Kaimane auf ein Häppchen. In der Pousada Portal Paraiso stehen wir nahe am Pool und genießen ein erfrischendes Bad.

80 km vor der Grenze müssen wir bei der Policia Federal den Ausreisestempel holen. Rund 40 km vor der Grenze haben wir genug und fragen einen Fischer, ob wir auf seinem Grund schlafen dürfen. Es ist kein Problem, so stehen wir direkt am Fluss, sogar mit Strom. Dies ist der letzte Tag im sehr heißen Mato Grosso, Brasilien.
Es ist jetzt 17.30 Uhr und immer noch 35 Grad warm.

Wir stehen an der Grenze zu Bolivien. Die hatten am 20.10.1019 Präsidentschaftswahlen,  weshalb wir unsere Einreise etwas hinausgezögert haben. Hat nichts genützt. Im ganzen Land streiken sie wieder einmal und überall sind Blockaden eingerichtet. Auch die Grenze ist blockiert. Wir werden freundlich, was nicht überall der Fall ist, zurückgewiesen. Wieder einreisen in Brasilien und eine neue Route wählen.

Bem vindo a Brasil.

2 Kommentare

  1. Wunderschöne Bilder und ein toller Reisebericht mit diesen interessanten Tiergeschichten.
    Wir beneiden euch des warmen Wetter wegen , aber Krokodile möchte ich keine sehen!
    Doch der Dschungel muss ein besonderes Highlight sein.
    Wir fahren mit euch und freuen uns auf den nächsten Bericht! 🤗🤗
    Liebe Grüße Karl und Angelita

  2. Traumhafte Fotos und ein wunderbarer Bericht. Martha du bist sehr mutig das du über diese Brücken fährst (fahren mußt). Wußte gar nicht das das Pantanal so groß ist. Hoffentlich wird es nicht zu sehr von der Landwirtschaft vereinnahmt. Werde dem Gerhard euren Reisebericht vorlesen. LG von uns Beiden

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